Traumprojekt mit Tücken

Kein Projekt hatte ich jemals auf meinen Nadeln, dass mich vom ersten Anblick an derart begeistert hat – und dass dann so lange auf seine Umsetzung warten musste. Und dafür gab es viele gute Gründe. Erst einmal habe ich mich, auch wenn ich mich selbst für eine erfahrene alte Strickhäsin halte, wirklich gefragt, ob ich das hinbekommen könnte – denn allein schon der ganze große, dem Laine-Magazin beigelegte Anleitungsbogen jagte mir eine Menge Respekt ein.

Und dann die Garnwahl… Damit habe ich mich wirklich schwer getan – und als ich mich dann für ein Garn entschieden hatte, war ja noch die Frage nach der Farbe. Ach, was soll ich sagen. Jedenfalls habe ich fast vier Jahre gebraucht, bis dieses Traumprojekt auf meinen Nadeln gelandet ist.

Eine weitere Tücke: der schon erwähnte Anleitungsbogen. Ich habe ja schon häufiger über Laine-Anleitungen gejammert, hier war es aber wieder ganz besonders ärgerlich. Ich habe mich schon häufiger gefragt, wie dieses – wirklich ja vom Konzept her – schöne und besondere Magazin produziert wird. Offensichtlich mit einer heißen Nadel – und von jemandem, der vom Stricken keine Ahnung hat, und den auch nicht interessiert, dass Strickschriften von rechts nach links oder gelesen werden… Und ich kann mir auch nicht vorstellen, dass die Designerin das fertige Layout zur Freigabe bekommen hat… Ich habe jedenfalls einen Vormittag investiert, um alle Charts einzuscannen, auf die gleiche Größe und in die richtige Reihenfolge zu bringen. Ach ja, und Erläuterungen zu den Charts und zu den Abkürzungen in der geschriebenen Anleitung muss man sich eigentlich an drei verschiedenen Stellen zusammensuchen. Also wirklich….

Nachdem diese Hürde genommen war, musste ich mich dann auch noch für eine Größe entscheiden. Die Angabe, dass das Größe-S-Modell auf den Fotos Größe XL trägt, damit es schöner aussieht, ist ja nun mehr als kryptisch. Welche Größe also wählen? In meinem Lieblingswollladen wurde geraten, mit Größe L zu starten und und nach den Schultercharts auf Größe XL zu gehen. Aber so weit musste ich erstmal kommen. Puh, das hat ganz schön gedauert, bis ich einigermaßen mit den Charts und der ganzen Konstruktion vertraut war und ein etwas entspannter stricken konnte. Absolut unverzichtbar übrigens – genug Post-its!

Nach der Ärmelabtrennung ging es dann plötzlich fast wie von selbst voran, allerdings lauerten dann da ja noch die Taschen. Ich habe viele Besuche auf den Projektseiten bei Ravelry gebraucht, bis ich die Konstruktion dann endlich verstanden hatte. Ob es aber ein Fehler oder Absicht ist, dass sich die rechte Masche an den Ausschnitträndern nicht bis zum unteren Rand der Jacke fortsetzt – keine Ahnung! Ich sage jetzt einfach mal: das muss so sein!

Ach ja, der Ausschnitt. Der ist hinten sehr tief und irgendwie auch sehr eckig. Ich habe das wieder und wieder nachgelesen, aber so ist es wohl auch wirklich gedacht, leider ergab das bei mir im ersten Anlauf eine seltsame Passform. Eine Anprobe war auch bei meinemallerlängsten Nadelseil beim besten Willen nicht möglich.

Ich kann gar nicht sagen, wie oft ich diesen Teil der Anleitung schon gelesen habe, eigentlich würde ich sagen, ich habe alles richtig gemacht. Sieht aber nicht richtig aus. Vorne hängt die Blende, im Nacken sitzt zu zu hoch und die Taschen eindeutig zu tief.

Ich ribbele ja äußerst ungerne, hier ging daran aber kein Weg vorbei.

Fast 50 Gramm weniger hat die neue Blende jetzt und die Arbeit hat sich gelohnt. Ich habe weniger Maschen aufgenommen, weniger verkürzte Reihen im Nacken gearbeitet und auch 5 Reihen weniger gestrickt.

Erstaunlich, was die kleinere Blende für einen Unterschied in der Passform macht. Jetzt komme ich auch mit den Händen in die Taschen!

Inzwischen bin ich wirklich froh mit dem Teil, das Design ist wirklich schön und besonders, die Wolle war eine gute Wahl und nach anfänglichen Schwierigkeiten war das Stricken die meiste Zeit über das reine Vergnügen.

Und wenn es hier irgendwann einmal aufhört zu regnen, dann gibt es hoffentlich auch noch ein paar schönere Tragefotos

Mein Sode-Cardigan

(Werbung wegen Markennennung – unbeauftragt und unbezahlt)

Die Anleitung: Sode-Cardigan von Hiroko Payne aus dem Laine-Magazin No. 6
Das Garn: 820 Gramm Cascade 220 in der Farbe 8229 Country Green gekauft bei Mylys
Nadelstärke:4 und 4.5
Größe X/XL

Mehr dazu hier bei fraustrickt auf Ravelry

Verlinkt beim Freutag

4 Kommentare zu „Traumprojekt mit Tücken“

  1. Wow! ich bin ganz angetan von Deiner wunderschönen Jacke. Ein Hingucker mit tollen Taschen. Das Muster finde ich fantastisch und erinnert mich an Runen. Gut dass Du geribbelt hast, so hast Du eine Jacke ganz nach Deinem Geschmack mit einem guten Sitz.
    Ich wünsche Dir ganz viel Freude mit Deiner Traumjacke.
    Liebe Abendgrüße von Traudi.♥

  2. Die Jacke ist ja wirklich schick geworden, die Mühe hat sich gelohnt.. Das Muster sieht ja echt kompliziert aus – und wenn es dann noch nicht auf Anhieb passt. Ich glaube, ich hätte das Teil in die Ecke geschmissen.
    LG
    Ingrid.

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