Zu Hause statt unterwegs

Eigentlich sollte es in meinem Beitrag zu diesem schönen Tuch vor allem um seine Eignung als mitnahmetaugliches Projekt gehen – ganz im Gegenteil zu meinem großkarierten Riesenschal. 

Ideal für unterwegs begleitet mich das Weihnachtsgeschenk einer lieben Freundin schon eine ganze Weile. Es kommt mir immer noch ganz unwirklich vor: Als ich das Tuch im Januar angeschlagen habe – wer hätte da gedacht, dass man nur wenige Wochen später keine Mitnahmeprojekte brauchen würde.


Plötzlich ist das “normale” Leben völlig aus den Fugen und nichts mehr selbstverständlich. Gar nicht so einfach, Ruhe zu bewahren und den Mut nicht zu verlieren. Da bin ich froh, dass ich über eine gute Portion Resilienz verfüge.

Manchmal könnte mir allerdings alles vergehen, wenn ich zum Beispiel erlebe, wie uneinsichtig gerade Senioren sich verhalten, von Eltern mit kleinen Kindern mal ganz zu schweigen – und die sind teilweise auch noch ganz besonders rücksichtslos und unverschämt, jedenfalls ausgerechnet hier am wohlgepflegten Hamburger Stadtrand.

Bildquelle: WA / Unbekannt

Aber auch sehr viel Freundlichkeit und Achtsamkeit im Umgang miteinander habe ich gerade in der letzten Woche erlebt – und so viele nette Gespräche mit wildfremden Menschen (natürlich mit gebührendem Abstand) habe ich noch nie geführt.

Klar gibt es neben den vielen Dingen, die uns allen gerade Angst machen, auch solche, die mich regelrecht verzweifeln lassen: Was soll man nur über einen Arbeitgeber denken, der es seinen Mitarbeitern nahelegt, statt Kurzarbeit unbezahlten Urlaub zu nehmen und das dann auch noch als soziale Maßnahme “verkaufen” will? Kein Wunder, dass da Existenzangst entsteht. Obwohl ich mit meinen zwei ganz unterschiedlichen Arbeitsstellen natürlich auf hohem Niveau jammere, das ist mir bewusst. Und so mache ich ein wenig Homeoffice, dosiere meinen Nachrichtenkonsum achtsam, freue mich über die vielfältigen Möglichkeiten, mit Freunden auch aus der Ferne zu kommunizieren und stelle mir manchmal vor, wie ich mich das nächste Mal mit einer Freundin zum Schwimmen treffe. Und bis dahin: Viel lesen, viel spazieren gehen, viel stricken …

Übrigens, kennt Ihr die Onleihe? Als Mitglied einer öffentlichen Bücherei kann man dieses Online-Angebot kostenlos nutzen. Da gibt es neben Büchern und Zeitschriften auch Hörbücher in Hülle und Fülle.

Ach ja, mein Mitnahmetuch ist gerade fertig geworden. Sehr passend, wo es doch vorerst keinen Grund mehr zum Mitnehmen gibt, ich bleibe natürlich auch zu Hause. Und selbstverständlich ist schon ein neues Projekt auf den Nadeln, denn wenn ich mich auch sonst gegen diesen seltsamen neuen Trend verwahre, ein bisschen Wolle habe ich dann doch noch schnell gehamstert…

Das Tuch

“Saedding Strand”, Anleitung auf dänisch, nicht bei Ravelry
Das Garn: 1 Knäuel Malabrigo Sock in der Farbe “Diana” und Isager Kid Silk in Graugrün
Nadelstärke 3,5
Mehr zu diesem Tuch auf der Projektseite (fraustrickt) bei Ravelry

Ich verlinke diesen Beitrag bei Maschenfein und schaue auch endlich mal wieder beim Samstagsplausch vorbei. So viel Zeit daheim hat ja auch ihre Vorteile…

8 thoughts on “Zu Hause statt unterwegs”

  • Wunderschön ist dein Tuch geworden, liebe Gabi! Ich mag auch besonders einfach kraus gestrickte Tücher mit wechselnden Farben…besonders dein Strang hat es mir angetan…Auch ich kenne Mitnahmeprojekte…wie ausgefuchst doch unser Lebensablauf vor Corona war, oder? Das wird mir jetzt bewusst. Im Momment genieße ich auch die Ruhe…die sozialen Kontakte, die ich derzeit habe – auf Abstand wohlgemerkt – sind intensiver…das ist eine Bereicherung!

    Bleibe gesund
    wünscht Augusta

  • Das Tuch ist wunderschön, tolle Farben. Irgendwann gibt es wieder Gelegenheit, es zu tragen. Das Comicbild gefällt mir auch gut, so ist es leider. Ich wünsche dir eine schöne Strickzeit zu Hause. Zu Hause bleiben kann ich leider nicht, ich arbeite im Krankenhaus.
    LG
    Ingrid

    • Liebe Ingrid, ja, wie gut, wenn man zu Hause bleiben kann. Mein Mitgefühl gilt wirklich allen, die jetzt aus dem Haus müssen, und noch viel mehr denen, die jetzt “in der ersten Reihe” stehen müssen.
      Ich wünsche Dir viel Kraft und natürlich gute Gesundheit.
      Liebe Grüße von Gabi

  • Was für einen schönen Halsschmeichler du gemacht hast. Wenn man wieder unter die Leute gehen kann wirst du sicher viele Komplimente bekommen dafür. Aber das Comicbild hat mir heute ein lächeln ins Gesicht gezaubert.
    L G Pia

  • Hallo Gabriele,
    ich hatte auch das Gefühl, dass gerade die, die am gefährdetsten sind sich am unvorsichtigsten verhalten.
    Mein “unterwegs Projekt” – Socken – liegen hier jetzt mal auf Halde.
    Ich wünsche dir ein schönes Wochenende, bleib gesund!
    Liebe Grüße
    Ivonne

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