Mein Urlaubsprojekt „Schnucken-Cardigan“

Ich bin in Wolfsburg aufgewachsen und kann mich daran erinnern, dass der allererste Schulausflug in die Lüneburger Heide ging, wo natürlich auch die Heidschnucken ein großes Thema waren. Und mal abgesehen davon, dass es ja ausgesprochen nützliche Tiere sind, ist der Name „Heidschnucke“ nicht schon eine Attraktion an sich?! Möglicherweise lag es also auch ein wenig daran, dass mich beim Wollfest in Hamburg der Stand der Hoepen Schäferei besonders anzog.

Bekanntlich mag ich ja rustikale Garne und finde es immer noch schade, dass das Projekt „Paulas Wolle“ in der Versenkung verschwunden ist. Um so spannender fand ich Heidschnuckenwolle aus der Lüneburger Heide… Weil ich kurz vorher bei Ravelry über den Wilde Cardigan von gestolpert war, stand das passende Projekt auch gleich fest, und es war klar, dass der Schnucken-Cardigan mein Urlaubsprojekt werden sollte.

Ganz schön verwegen, denn so ein über und über gezopftes Teil braucht schon eine Menge Aufmerksamkeit, und abends im schummerigen Kerzenlicht vorm Kamin ist es nicht die beste Idee, noch ein paar Reihen zu stricken. Aber nachdem ich so ganz langsam das Prinzip des Musters und vor allem der Zunahmen durchschaut hatte, ging es schließlich doch voran und ich musste nicht mehr ganz so viel zurückribbeln. Mein allerliebster Helfer war übrigens die kurze Zopfnadel links im Bild. Das war ein Zufallsfund, als ich bei einer Wollbestellung noch ein kleines Zubehörteil suchte, um auf die Mindestbestellsumme für den portofreien Versand zu kommen. Mit den allgemein gebräuchlichen. gebogenen Zopfnadeln bin ich noch die klargekommen, aber auf diesem Teilchen mit seinen gleichmäßig verteilten Querrillen sitzen die Maschen nicht nur sicher, die kurze Nadel nervt auch nicht beim Stricken. Ich bin jedenfalls restlos begeistert und an der Zopfnadel lag es sicher nicht, dass ich anfangs so schleppend vorangekommen bin.

Erst hatte ich auch noch ein wenig die Sorge, dass das doch sehr „lebendige“ Garn ein wenig das Muster verschlucken könnte, aber diese Bedenken waren glücklicherweise unbegründet. Und nachdem ich erst einmal die Raglanzunahmen hinter mich gebracht hatte, wurde es auch ganz schnell ein richtiges Urlaubs-Lieblingsprojekt.

Natürlich wurden auch ganz viele schöne Urlaubserinnerungen mit eingestrickt, aber das ist nur einer der Gründe, weshalb ich von meinem fertigen Schnucken-Cardigan so begeistert bin. Auch wenn ich die Anleitung in Teilen etwas zu langatmig und an anderen Stellen wieder etwas zu knapp und oberflächlich fand, gab es doch etliche raffinierte neue Techniken (zum Beispiel für die Kragenmaschenaufnahmen und die Art, die Knopflöcher zu stricken, ohne jedes Mal den Faden neu anzusetzen), die ich so noch nicht kannte, und die außerdem für ein ganz wunderbares Ergebnis sorgen.

Und dann ist da ja auch noch die Farbe, die bis jetzt noch gar nicht in meinem Kleiderschrank vorkommt, die mir aber ausgesprochen gut gefällt. Richtig schön ist auch, dass das Gestrick gerade den richtigen „Stand“ hat. Natürlich ist das Garn alles andere als kuschelig weich, aber, wie bei vielen eher natürlichen deutschen Garnen, finde ich die Haptik eher trocken als kratzig und sehr angenehm zu tragen – ein richtig schönes Urlaubs-Souvenir!

Meine Schnucken-Jacke

Die Anleitung: Wilde-Cardigan von Lily Kate France, Kaufanleitung, erhältlich bei Ravelry, nur auf Englisch
Das Garn: 620 Gramm Schnuckenwolle Dünne Wuul von der Hoepen Schäferei,
gekauft auf dem Farbenrausch Festival in Hamburg, verstrickt mit Nadelstärke 4,
Größe: 4

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