Mein erstes Sommerstrickprojekt ist fertig, „passt, wackelt und hat Luft“ (der Lieblingsspruch meines Ausbilders in meiner Lehrzeit), und trotzdem betrachte ich ihn irgendwie mit gemischten Gefühlen.
Unser schwieriges Verhältnis hat wohl schon mit der Anleitung begonnen. Selten war ich so von einer Anleitung enttäuscht. Das fing schon beim (im Ergebnis wirklich wunderschönen) Maschenanschlag an, bei dem nur eine ungefähre Anzahl von Reihen angegeben ist, die man stricken – und eventuell später noch korrigieren – soll. Da man dann aber eine ganz bestimmte Anzahl an Maschen in einer ganz bestimmten Frequenz aufnimmt, hätte die Designerin ja auch einfach angeben können, wieviel Reihen man stricken soll. Fand ich schon seltsam, habe ich aber gemacht, nachdem ich ganz brav die Maschen provisorisch angeschlagen hatte. Das würde ich beim nächsten Mal nicht noch einmal so machen, weil mich später bei der Aufnahme der Ärmelmaschen diese provisorischen Maschen gestört haben und ich es stimmiger gefunden hätte, die Maschen ganz normal aufzunehmen und am Ende auch wieder abzuketten.

Na gut, das ist vielleicht noch Geschmacksache, aber dass man dann beim Stricken der verkürzten Reihen für die Schulterschrägung mit der Anweisung, alle x Maschen zu wenden, konzentriert zu arbeiten und dabei auf das Lacemuster zu achten, einfach im Stich gelassen wird, das fand ich schon sehr schade. Nun bin ich eine erfahrene Strickerin und konnte mich da einigermaßen durchwursteln, aber das Ergebnis gefiel mir so wenig, dass ich bei einem zweiten Anlauf die verkürzten Reihen nur zwischen den Lacesektionen gearbeitet habe, wodurch die Schulterschrägung etwas weniger Höhe bekommt, weil eben seltener gewendet wurde, dafür sieht das Muster für mich aber ordentlicher aus.
Gar nicht verstanden habe ich auch, warum der identische Chart für das Lacemuster immer wieder in der Anleitung auftaucht, und ehrlich gesagt brauche ich auch nicht den Hinweis, dass ich die Rundstricknadel 2,5 mm wegräumen soll, weil sie erst später wieder gebraucht wird… Sehr seltsam. Als mir dann bei der Maschenaufnahme für die Vorderteile auffiel, dass ich vollkommen falsch verstanden hatte, wo die Maschenmarkierer gesetzt werden sollten, war mir klar, dass die Anleitung und ich keine Freunde werden würden. Also habe ich nicht nur die Rundstricknadel 2,5 mm weggeräumt, sondern auch gleich die ganze Anleitung, denn offensichtlich ist die Art der Designerin, Anleitungen zu schreiben, nicht mir meiner Art kompatibel, wie ich Anleitungen am besten verstehe und am liebsten stricke.

Aber weil das Design wirklich schön und das Lacemuster außerordentlich unterhaltsam zu stricken ist, kann ich hier jetzt meinen fertigen Ótimo, gestrickt nach Gefühl und ein bisschen auch nach Anleitung, endlich zeigen. Aber irgendwie bleiben gemischte Gefühle, auch wenn ich gar nicht so genau sagen kann, warum er sich nicht so anfühlt, als würde es jetzt unbedingt eines meiner Lieblingsteile dieses Sommers werden. Aber es kann ja noch werden…



Mein Ótimo-Sweater
Gestrickt in Größe 4 nach der kostenpflichtigen Anleitung von Silke Ufer Design, gekauft bei Ravely.
Das Garn: 510 Gramm Drops Belle in der Farbe Zink, gestrickt mit Nadelstärke 3,25 und 2,5 für die Bündchen.
